Universität Siegen und KEMPER gestalten internationales Schülerprojekt
Die deutschen Schüler:innen bei der Vorstellung ihrer Präsentationen im U.S. Generalkonsulat in Düsseldorf. Mit dabei: Christian Küster (Sprecher der Geschäftsführung Gebr. Kemper GmbH + Co. KG, 4.v.l.), Dorothee Feller (Ministerin für Schule und Bildung des Landes NRW, 6.v.l.), Holger Köster (Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Olpe, 7.v.l.), Prof. Dr. Ingo Witzke (Direktor der Mathematikdidaktik Universität Siegen, hinten rechts).
Die deutschen Schüler:innen bei der Vorstellung ihrer Präsentationen im U.S. Generalkonsulat in Düsseldorf. Mit dabei: Christian Küster (Sprecher der Geschäftsführung Gebr. Kemper GmbH + Co. KG, 4.v.l.), Dorothee Feller (Ministerin für Schule und Bildung des Landes NRW, 6.v.l.), Holger Köster (Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Olpe, 7.v.l.), Prof. Dr. Ingo Witzke (Direktor der Mathematikdidaktik Universität Siegen, hinten rechts).
Wie lässt sich Trinkwasserhygiene in Schulgebäuden sicherstellen, wenn Wasserleitungen über Wochenenden, Feiertage oder Ferien kaum genutzt werden? Und welche Strategien helfen, wenn längere Hitzeperioden das Kaltwasser in Gebäuden erwärmen? Mit diesen praxisnahen Fragen beschäftigten sich Schüler:innen aus Deutschland und den USA im Rahmen des internationalen MINT-Projekts „WaterWise Futures“, das Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik mit realen Problemstellungen rund um Wasser- und Ressourceneffizienz verbindet. Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von der Mathematikdidaktik der Universität Siegen, fachliches Know-how aus der Gebäudetechnik brachte das Olper Unternehmen Gebr. Kemper GmbH + Co. KG ein.
Internationale Zusammenarbeit zu einem globalen Zukunftsthema
An dem Projekt beteiligten sich 14 Schüler:innen des Städtischen Gymnasiums Olpe sowie 16 Schüler:innen der Sangre de Cristo High School in Mosca, Colorado. Der offizielle Startschuss fiel am 19. Februar 2026 mit einem virtuellen Kick-off, bei dem sich die deutschen und amerikanischen Teilnehmenden kennenlernten und in die Aufgabenstellungen eingeführt wurden. In binationalen Teams entwickelten sie anschließend über mehrere Wochen hinweg Lösungsansätze zu Nachhaltigkeit, Wasser- und Ressourceneffizienz sowie zukunftsweisenden Technologien. Ziel war es, reale Herausforderungen aus den Lebens- und Wirtschaftsräumen beider Partnerregionen aufzugreifen und für die Schüler:innen in konkrete MINT-Aufgaben zu übersetzen. Unterstützt wurde das Projekt ebenfalls vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Dazu Holger Köster, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Olpe:
„Internationale Projekte wie WaterWise Futures eröffnen unseren Schülerinnen und Schülern Lernmöglichkeiten, die weit über den Fachunterricht hinausgehen. Es war beeindruckend zu erleben, wie sie über mehrere Monate hinweg Verantwortung übernommen, sich in internationalen Teams organisiert, komplexe Fragestellungen eigenständig bearbeitet und ihre Ergebnisse selbstbewusst vor Fachpublikum präsentiert haben. Solche Erfahrungen stärken nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch Teamfähigkeit, Eigeninitiative und interkulturelles Verständnis – Fähigkeiten, die junge Menschen für die Herausforderungen einer vernetzten Welt brauchen.“
Wissenschaftlicher Rahmen trifft technische Praxis
Die Mathematikdidaktik der Universität Siegen schuf dafür den wissenschaftlichen und didaktischen Rahmen. Im Mittelpunkt stand ein projektbasiertes Lernformat, das internationale Zusammenarbeit, technische Fragestellungen und gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen miteinander verbindet. Die Schüler:innen arbeiteten über mehrere Wochen hinweg in virtuellen Teams zusammen, kommunizierten auf Englisch und entwickelten ihre Lösungen in der Rolle von Beratungs- und Ingenieurteams.
KEMPER brachte als Experte für Armaturen und Systemlösungen zum Erhalt der Trinkwasserhygiene zwei konkrete Aufgabenstellungen aus der Gebäudetechnik ein. Dabei ging es nicht um einzelne Produkte, sondern um das Verständnis hygienisch sicherer Trinkwasserinstallationen – von der Planung über den Betrieb bis zur Überwachung. Ricardo Ermert, Produktmanager bei KEMPER, führte die Teams fachlich in die Zusammenhänge der Trinkwasserhygiene ein, erläuterte typische Herausforderungen im Gebäudebetrieb sowie mögliche KEMPER-Lösungsansätze und stand während der Projektarbeit für Rückfragen bereit.
Trinkwasserhygiene im Schulgebäude praxisnah gedacht
Eine zentrale Herausforderung war die Trinkwasserhygiene in Schulgebäuden während Phasen geringer Nutzung: An Wochenenden, Feiertagen oder in Ferienzeiten wird Wasser deutlich seltener entnommen. Dadurch kann es in Leitungen stagnieren, was ein Risiko für die Trinkwasserhygiene darstellen kann. Die Schüler:innen sollten Risikozonen im Gebäude identifizieren, einen Betriebsplan für solche Niedrignutzungsphasen entwickeln und dabei Gesundheitsschutz, Wasserverbrauch, Betriebs- und Investitionskosten gegeneinander abwägen. Besonderer Fokus lag darauf, die Trinkwasserhygiene sicherzustellen, ohne dass es zu einer Verschwendung der Ressource Trinkwasser durch übermäßiges Spülen der Leitungen kommt. Als Lösungsansatz entwickelten die Schüler:innen ein bedarfsorientiertes Spül- und Überwachungskonzept, das kritische Temperaturbereiche in der Trinkwasserinstallation gezielt berücksichtigt und den Wasseraustausch nachvollziehbar steuerbar macht.
Wenn Hitze zur Herausforderung für Kaltwasser wird
Eine zweite Aufgabenstellung nahm längere Hitzeperioden in den Blick. Wenn sich Kaltwasser in der Trinkwasserinstallation im Gebäude erwärmt, entstehen zusätzliche Anforderungen an Hygiene, Komfort und Gebäudebetrieb. Die Teams verglichen verschiedene Strategien – von gezielten Spülprozessen über Temperaturmanagement und aktiver Kühlung des Trinkwassers bis hin zu kombinierten Ansätzen. Die Schüler:innen kamen zu dem Schluss, dass ein stärker temperaturorientierter Ansatz mit einer aktiven Kaltwasserkühlung gegenüber reinen temperaturgeführten Spülmaßnahmen Vorteile bieten kann – vorausgesetzt, die jeweilige Gebäudesituation, technische Machbarkeit und Kosten werden sorgfältig berücksichtigt.
Technik verstehen, Zielkonflikte erkennen
Ricardo Ermert (KEMPER), ordnet ein:
„Die erarbeiteten Ansätze machten deutlich, wie vielschichtig der sichere und ressourcenschonende Betrieb von Trinkwasserinstallationen ist. Technische, ökologische und wirtschaftliche Aspekte müssen dabei immer gebäudespezifisch betrachtet werden – denn eine Universallösung, die für jedes Objekt gleichermaßen optimal ist, gibt es nicht.“
Genau darin lag ein besonderer Mehrwert des Projekts: Die Schüler:innen lernten, technische Zusammenhänge zu analysieren, Zielkonflikte zu erkennen und Entscheidungen nachvollziehbar zu begründen.
Ergebnisse in Düsseldorf und Colorado präsentiert
Einen besonderen Höhepunkt bildete die Vorstellung des Projekts und seiner Ergebnisse am 23. März in der Residenz der US-Generalkonsulin Preeti V. Shah in Düsseldorf. Die Präsentation fand auf Einladung der Generalkonsulin und im Beisein von Ministerin Dorothee Feller statt. Ende April reisten die deutschen Teilnehmenden anschließend nach Colorado, um die Präsentation ihrer Lösungsansätze gemeinsam mit den amerikanischen Schüler:innen abzustimmen. Im Rahmen einer abschließenden Abendveranstaltung mit „Potluck Dinner“ (Mitbring-Buffet) stellten die Schüler:innen ihre Ergebnisse den eingeladenen Eltern und Lehrkräften mittels Posterpräsentation vor.
Damit wurde „WaterWise Futures“ nicht nur zu einem MINT-Projekt, sondern auch zu einem internationalen Austauschformat zwischen Schule, Wissenschaft und Praxis.
„Das Projekt Water Wise Futures zeigt im besten Sinne, wie authentisches Problemlösen für Schülerinnen und Schüler schulische Kompetenzen und berufliche Orientierung wirksam miteinander verbinden kann. Dass sich die Jugendlichen aus Olpe, unterstützt durch Kemper und die Universität Siegen, langfristig in komplexe technische Sachverhalte rund um Trinkwasserhygiene und Wassereffizienz einarbeiten und gemeinsam mit ihren amerikanischen Counterparts aus Colorado an echten Problemlösungen arbeiten konnten, ist großartig. Es bereitet sie auf die MINT-Herausforderungen von morgen vor.“,
sagt Prof. Dr. Ingo Witzke, Mathematikdidaktik der Universität Siegen.
Gemeinsam junge Menschen für Zukunftsfragen begeistern
Für die Universität Siegen und KEMPER zeigt „WaterWise Futures“ beispielhaft, wie junge Menschen für technische Zukunftsfragen begeistert werden können. Gleichzeitig unterstreicht das Projekt die wachsende Bedeutung eines sicheren, bewussten und ressourcenschonenden Umgangs mit Trinkwasser – im Alltag, im Gebäudebetrieb und in der Ausbildung der nächsten Generation.